Entscheidend ist nicht nur die Dateiendung, sondern was in der Datei steckt. Wer nach einer Nacht lediglich ein geteiltes Vorschaubild besitzt, hat unter Umständen weder die Einzelbelichtungen noch einen geeigneten Ausgangsstack für die eigene Verarbeitung gesichert.
Drei Ausgaben, drei unterschiedliche Zwecke
| Ausgabe | Wofür sie nützlich ist | Was sie nicht automatisch ersetzt |
|---|---|---|
| Einzelbilder | Eigene Bildauswahl, Kalibrierung und neuer Stack | Fertiges, direkt vorzeigbares Bild |
| Linearer Stack | Eigene weitere Bearbeitung eines bereits verrechneten Bildes | Freie Auswahl der ursprünglichen Einzelbilder |
| Aufbereitetes Vorschaubild | Teilen und schnelle Beurteilung | Vollständige Ausgangsdaten und Verarbeitungsspielraum |
Nicht jedes Gerät bietet jede Stufe an. Selbst bei derselben Dateiendung können Aufnahmemodus und App-Einstellung darüber entscheiden, ob eine Einzelaufnahme oder ein Stack gespeichert wurde.
FITS ist ein Datenformat, kein Qualitätsversprechen
FITS steht für Flexible Image Transport System. Die NASA-Formatübersicht beschreibt Dateien aus Header/Data Units: Ein Header erläutert die folgenden Daten. FITS kann Bildarrays, Tabellen und weitere wissenschaftliche Datenstrukturen enthalten.
Der Header nennt bei einem gewöhnlichen Bild unter anderem Datentyp und Abmessungen. Weitere Einträge können Belichtungszeit, Beobachtungszeitpunkt, Kamera oder Himmelskoordinaten beschreiben. Welche zusätzlichen Informationen tatsächlich vorhanden sind, hängt von der erzeugenden Software ab. Temperatur und vollständige Koordinaten sind nicht allein wegen der Endung .fits garantiert.
Ebenso wenig garantiert FITS einen unveränderten Sensorauszug. Die Datei kann bereits kalibriert, ausgerichtet, demosaiziert oder gestapelt sein. Für eine eigene Verarbeitung solltest du wissen, welche Schritte das Gerät schon durchgeführt hat, damit du sie nicht ungeprüft ein zweites Mal anwendest.
Linear und gestreckt unterscheiden
Bei einer linearen Datei ist die Darstellung häufig zunächst unscheinbar. Für das sichtbare Bild werden die Helligkeitswerte mit einer Anzeigestreckung anders verteilt. Eine dunkle FITS-Vorschau bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Aufnahme misslungen ist.
Wichtig ist die Trennung zwischen Anzeige und gespeicherten Pixelwerten: Eine Bildschirmvorschau kann gestreckt sein, während die Originaldatei linear bleibt. Speichere Bearbeitungen als eigene Dateien und bewahre die Ausgangsdaten auf.
JPEG oder PNG allein sagen ebenfalls nicht, welche Verarbeitung schon erfolgt ist. Der konkrete Exportmodus und die Herstellerdokumentation sind aussagekräftiger als eine pauschale Rangliste von Dateiformaten.
Konkretes Beispiel: die Ausgaben des DWARF 3
Die DWARFLAB-Dateianleitung unterscheidet unter anderem:
- gestreckte 8-Bit-JPG-Stacks;
- gestreckte, nichtlineare 16-Bit-PNG-Stacks;
- lineare 16-Bit-FITS-Dateien als Einzelbilder und Stacks, alternativ TIFF gemäß App-Einstellung;
- Vorschaudateien und Sitzungsmetadaten.
Die Sitzungsordner liegen im beschriebenen Astronomie-Verzeichnis. Der Hersteller dokumentiert außerdem getrennte Kalibrierdaten für Tele- und Weitwinkelkamera. Diese sind nicht beliebig austauschbar.
Für den Zugriff am Computer wird DWARF 3 per geeignetem USB-Datenkabel als Laufwerk verbunden. Ein Kabel, das nur lädt, genügt dafür nicht. Daraus folgt aber keine Unterstützung für einen direkt am Teleskop angeschlossenen USB-Stick: Externe Speichergeräte werden laut derselben Anleitung nicht als Erweiterung unterstützt.
Diese Details gelten für DWARF 3 und sind keine allgemeine Anleitung für Seestar, Vespera oder Unistellar. Prüfe bei deinem Modell den dokumentierten Exportweg und die Voraussetzungen des verwendeten Aufnahmemodus.
Wie viel Speicher eine Serie braucht
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Ein unkomprimiertes Bild mit 3.840 × 2.160 Pixeln und einem 16-Bit-Wert je Pixel enthält rund 16,6 MB reine Pixeldaten. Hundert solche Bilder kommen auf ungefähr 1,66 GB in dezimalen Einheiten.
Header, Blockauffüllung, zusätzliche Ausgaben und Metadaten sind dabei nicht mitgerechnet. Mehrere Farbkanäle, andere Datentypen, Auflösungen oder Kompression verändern den Bedarf. Der Beispielwert ist deshalb keine garantierte Dateigröße eines bestimmten Geräts.
Plane nicht nur Platz für die Aufnahme, sondern auch für Arbeitskopien und Zwischenstände der Nachbearbeitung ein.
Eine Sicherung, mit der du später arbeiten kannst
- Beende die Aufnahme und warte, bis der Speichervorgang abgeschlossen ist.
- Kopiere die benötigte Sitzung, statt Originaldateien sofort zu verschieben oder zu löschen.
- Bewahre zusammengehörige Einzelbilder und Metadaten gemeinsam auf.
- Prüfe Dateianzahl, Kopiervorgang und die Lesbarkeit einer Auswahl von Dateien.
- Lege wichtige Aufnahmen zusätzlich an einem getrennten Speicherort ab.
- Räume den Gerätespeicher erst danach über den vorgesehenen Weg auf.
Für nach OTG-Sicherung entfernte DWARF-3-Sitzungen nennt der Hersteller ausdrücklich das Löschen über Album → Delete in der App, damit zugehörige Verzeichnisse und Metadaten gemeinsam entfernt werden. Das ist kein Anlass, ungesicherte Sitzungen zu löschen.
Wann sich eigene Nachbearbeitung lohnt
Ein eigener Stack erlaubt es, die Bildauswahl und Ausreißererkennung selbst zu steuern. Siril beschreibt dafür verschiedene Stacking- und Normalisierungsverfahren. Mehr Kontrolle bedeutet allerdings nicht automatisch ein besseres Ergebnis: Kalibrierung, Registrierung und Verarbeitung müssen zu den Ausgangsdaten passen.
Für den Einstieg genügt es, die verfügbaren Ausgaben zu verstehen und eine vollständige Sicherung anzulegen. Du musst nicht bereits in der ersten Nacht eine neue Software erlernen. Der nächste sinnvolle Schritt ist, eine einzelne gut dokumentierte Sitzung nachzuverarbeiten – nicht sofort unterschiedliche Kameras, Filter und Binning-Modi zu vermischen.