Im Sommer haben es Sternwarten schwer. Zwischen Mai und August wird es in Deutschland spät und nie ganz dunkel, und viele Vereine machen deshalb Pause. Das ändert sich jetzt. Ab Oktober reicht die Nacht wieder für einen Abend am Teleskop, und im Südwesten öffnen fünf Häuser, die unter Erleben bisher gefehlt haben.
Sie sind sehr verschieden: eine ehemalige Universitätssternwarte mit einem Meter Spiegel, zwei Vereinssternwarten mit freiem Eintritt, ein Verein mit eigener Messstation für die Himmelshelligkeit und ein kleines Privathaus mit Planetarium. Gemeinsam haben sie, dass dort Menschen stehen, die erklären, was man gerade sieht.
- Größte Öffnung
- 106 cm
- Hoher List, „1-Meter-Teleskop“
- Ohne Eintritt beobachten
- 2 Häuser
- Zweibrücken; Bad Kreuznach bei der Himmelsbeobachtung
- Himmelshelligkeit gemessen
- 21,0–21,3
- mag/arcsec², Peterberg
- Mit Sonnenteleskop
- 5 von 5
- Sonne zeigen alle fünf Häuser
Die fünf Häuser
Vulkaneifel. Früher Außensternwarte der Universität Bonn, heute betreibt ein Verein eine Kuppel. Samstags Beobachtung ab Oktober, 10 € für Erwachsene, Anmeldung nötig.
Nördliches Saarland, 575 m hoch. Jeden ersten Samstag von April bis Dezember ein Fachvortrag, danach das 508-mm-Teleskop in der Nordkuppel.
Auf dem Kuhberg in Bad Kreuznach. Himmelsbeobachtung am ersten und dritten Freitag ohne Eintritt, dazu Sonnenbeobachtung am Sonntagvormittag.
Auf dem Hochschulcampus. Freitags bei wolkenlosem Himmel, ohne Eintritt – ob offen ist, sagt eine Telefonnummer.
Planetarium & Sternwarte Sessenbach
Kleines Privathaus mit Planetarium für 30 Gäste und einem 40-cm-Teleskop; jede Führung wird telefonisch vereinbart, für Kinder ab fünf Jahren.
Wann genau etwas stattfindet, steht im Programm jedes Hauses – auf den Ortsseiten ist es jeweils verlinkt. Termine übernehmen wir bewusst nicht: Sie veralten schneller, als man sie nachpflegen kann, und an der Quelle sind sie immer aktuell.
Ein Meter Spiegel – was das heißt
Das bekannteste Instrument der Region steht am Hohen List. Die Universität Bonn hat das Observatorium in den 1950er-Jahren in die Eifel gebaut, weil der Himmel über der Stadt zu hell geworden war, und in den 1960ern um zwei große Kuppeln erweitert. In einer davon steht das „1-Meter-Teleskop“. Der Name ist bescheiden: Sein Hauptspiegel misst 106 Zentimeter.
Wie viel Licht ein Teleskop sammelt, hängt an der Fläche seiner Öffnung, also am Quadrat des Durchmessers. Ein Seestar S50 hat 50 Millimeter. Der Spiegel am Hohen List sammelt damit rechnerisch rund 450-mal so viel Licht, das Halbmeter-Teleskop am Peterberg immer noch rund 100-mal so viel.
Das heißt nicht, dass ein Smart-Teleskop dort nichts verloren hätte. Es heißt, dass man an einem Abend in der Kuppel etwas anderes erlebt: kein Bild, das sich über Minuten aufbaut, sondern das Licht selbst, mit dem eigenen Auge, im Okular.
Wie dunkel ist dunkel?
Die Sternwarte Peterberg misst das seit 2019 selbst. Eine SQM-Station neben der Nordkuppel zeichnet jede Nacht die Helligkeit des Himmels auf. Der Verein wertet nur Messungen aus, bei denen der Mond nicht am Himmel stand und die Sonne mindestens 18 Grad unter dem Horizont war – also echte Nacht. Die meisten Werte liegen dann zwischen 21,0 und 21,3 mag/arcsec².
Das ist ein ordentlicher Landhimmel, kein Spitzenwert. Der Verein sagt es selbst: Am Horizont stehen die Lichtglocken von Städten wie Sankt Wendel und Neunkirchen. Zum Vergleich führen wir für einen Beobachtungsplatz im Sternenpark Westhavelland 21,4. Größere Zahlen bedeuten einen dunkleren Himmel; mehr dazu unter Lichtverschmutzung.
Im Herbstprogramm des Vereins steht dazu ein eigener Fachvortrag, der auch das Projekt „Sankt Wendeler SternenLand“ vorstellt – es will die Beleuchtung in der Region zurückfahren.
Drei Seestar, vier Nächte, ein Bild
Am Peterberg steht nicht nur Großgerät. Mehrere Mitglieder des Vereins fotografieren inzwischen mit einem Seestar S50, und sie haben ausprobiert, was passiert, wenn man die Rohdaten zusammenlegt. Für den Adlernebel M16 haben drei Mitglieder in vier Nächten an verschiedenen Orten belichtet. Anschließend wurde jede Aufnahme per Plate Solving am Himmel verortet und daraus ein Mosaik gebaut.
- AufnehmenDrei Geräte, vier Nächte, verschiedene Standorte – jeder belichtet dasselbe Ziel mit den kurzen Einzelbildern des Seestar.
- VerortenPlate Solving bestimmt für jedes Bild, wo genau am Himmel es liegt. Erst dadurch passen Aufnahmen verschiedener Geräte aufeinander.
- ZusammensetzenAus den Einzelfeldern entsteht ein Mosaik, das größer ist als das Bildfeld eines einzelnen Geräts.
- BearbeitenDie gesammelte Belichtung zeigt Strukturen im Staub um die „Säulen der Schöpfung“, die eine einzelne Nacht nicht hergibt.
Der Verein nennt auch die Grenze, die jeder Besitzer kennt: Wegen der azimutalen Montierung dreht sich das Bildfeld bei langen Sitzungen, an den Rändern entstehen Artefakte. Genau das war ein Grund, die Umgebung mitzufotografieren. Mehr zur Bildfeldrotation steht im Glossar.
Für Besitzer eines Smart-Teleskops ist das die vielleicht nützlichste Nachricht aus der Region: Ein Astronomieverein ist nicht nur ein Ort mit großen Teleskopen, sondern auch einer, an dem man lernt, aus den eigenen Rohdaten mehr zu machen.
Die Sonne am Sonntag
Wer abends keine Zeit hat, kann tagsüber kommen. Bad Kreuznach zeigt die Sonne von März bis September jeden Sonntag von 10:30 bis 13 Uhr, im Winterhalbjahr am zweiten und vierten Sonntag – im Weißlicht durch ein Herschelprisma, im grünen Kontinuumlicht und in H-Alpha, wo die Protuberanzen am Rand sichtbar werden. Am Hohen List ist die Sonnenbeobachtung von April bis September Teil der Samstagsführung, in Sessenbach von März bis Oktober nach Vereinbarung.
Und der Pfälzerwald?
Das Biosphärenreservat Pfälzerwald arbeitet an einem Sternenpark-Projekt und orientiert sich dabei an den Kriterien der internationalen Dark-Sky-Bewegung. Ein anerkannter Sternenpark ist der Pfälzerwald damit aber noch nicht, und wir führen ihn deshalb auch nicht so. Was ein Sternenpark ist, haben wir getrennt erklärt.
Zwei Dinge gibt es dort trotzdem schon:
- Drei ausgewiesene Beobachtungsplätze: das Dach des Hauses der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz, der Söller in Bundenthal und der Pfaffenberg in Rumbach. Seit 2025 stehen dort Hinweistafeln. Koordinaten, Zugangszeiten und Messwerte je Platz nennt das Biosphärenreservat nicht, deshalb haben die Plätze bei uns noch keine eigenen Seiten.
- Der Sternwandelweg in Lemberg: ein 5,6 Kilometer langer, fast ebener Rundweg um den Ruppertstein mit zwölf Tafeln zu Lichtverschmutzung und dem Schutz der Nacht. Er ist ausdrücklich ein Weg für den Tag, mit Start am Wanderparkplatz Burg Lemberg. Man lernt dort, warum die Nacht dunkel bleiben sollte, und kommt für das Beobachten besser an einen der drei Plätze.
Bevor man losfährt
- Anmeldung klärenHoher List und Sessenbach nur mit Anmeldung, Bad Kreuznach bittet um eine kurze Mail. Zu den Vorträgen am Peterberg kommt man ohne Reservierung, in Zweibrücken sagt vorab ein Anruf, ob offen ist.
- Wetter prüfenÜberall gilt: Bei Wolken gibt es keine Beobachtung. Die meisten Häuser haben dann einen Vortrag oder eine Führung als Ersatz.
- Warm anziehenDie Kuppeln am Peterberg und in Zweibrücken sind bewusst nicht beheizt, damit die Luft im Teleskop ruhig bleibt. Auf dem Peterberg fällt die Temperatur außerdem schneller als im Tal.
- Licht mitnehmenAm Peterberg ist das Gelände bewusst kaum beleuchtet, und vom Parkplatz geht es 400 Meter über einen Feldweg. Eine rote oder abgedunkelte Lampe, auf den Boden gerichtet, blendet niemanden.
Die Angaben stammen von den Seiten der Häuser selbst, Stand 28. September 2026. Zeiten und Preise ändern sich; vor dem Besuch lohnt der Blick auf die jeweilige Programmseite.


