Beide Geräte lassen sich schnell nach draußen tragen, beide finden Himmelsobjekte automatisch und beide passen eher in einen Rucksack als in eine Sternwarte. Genau deshalb landen DWARF 3 und Seestar S30 häufig gemeinsam auf einer Kaufliste.
Die eigentliche Entscheidung lautet aber nicht „Welches hat mehr Megapixel?“. Sie lautet: Möchtest du möglichst viel ausprobieren und Einstellungen beeinflussen – oder einen besonders geradlinigen Ablauf vom Einschalten bis zum fertigen Bild? Optik, Sensor, Filter, Bildfeld und Software bilden jeweils ein fest abgestimmtes System.
Die belastbaren Kerndaten
| DWARF 3 | Merkmal | Seestar S30 |
|---|---|---|
| 35 mm | Tele-Öffnung | 30 mm |
| 150 mm | Tele-Brennweite | 150 mm |
| Sony IMX678 | Tele-Sensor | Sony IMX662 |
| 3840 × 2160 | dokumentierte Ausgabe | 1080 × 1920 nativ |
| 2,0 µm | Pixelgröße | 2,9 µm |
| ca. 2,93° × 1,65°, berechnet | Tele-Bildfeld | 2,46°, Achse nicht benannt |
| 1,35 kg | Gewicht ohne Stativ | 1,65 kg |
| 128 GB eMMC | interner Speicher | 64 GB eMMC |
| Weitwinkel | zweite Kamera | Weitwinkel |
| ja | EQ-Modus | ja |
| ja | FITS | ja |
Was die größere Öffnung bedeutet
Drei Zahlen dieses Vergleichs sind gerechnet, nicht gemessen – sie folgen aus Öffnung, Pixelgröße und Brennweite der Datenblätter.
- +36 %
- Öffnungsfläche DWARF 3 gegenüber S30
- 2,75″/px
- Abtastung DWARF 3
- 3,99″/px
- Abtastung Seestar S30
Die geometrische Öffnungsfläche des DWARF 3 ist mit 35 Millimetern rechnerisch rund 36 Prozent größer als bei 30 Millimetern. Das ist ein realer optischer Unterschied. Beide Systeme besitzen mit 150 Millimetern dieselbe Tele-Brennweite, aber unterschiedliche Öffnungsverhältnisse und Sensoren.
Genau an dieser Stelle entstehen die drei Kurzschlüsse, die einen Vergleich unbrauchbar machen:
Irrtum36 Prozent mehr Öffnungsfläche heißen 36 Prozent mehr Bildqualität oder entsprechend kürzere Gesamtzeit.
Richtig: Öffnungsverhältnis, Filter, Pixelmaßstab, Himmelshintergrund, Nachführung und interne Verarbeitung wirken mit. Die Fläche ist eine Größe von mehreren.
IrrtumDer feinere Pixelmaßstab des DWARF 3 bedeutet automatisch mehr sichtbares Detail.
Richtig: Er bedeutet feinere Abtastung. Fokus, Optik, Nachführung und Luftunruhe müssen die feinere Struktur zunächst liefern.
IrrtumEine hohe Ausgabepixelzahl ist dasselbe wie optische Detailauflösung.
Richtig: Seestar bietet softwareseitig auch höher aufgelöste Ausgaben. Der native Sensor- und Aufnahmeweg bleibt davon zu unterscheiden.
Pixelzahl und Abtastung
Der DWARF-3-Telesensor gibt 3840 × 2160 Pixel aus, das S30 nativ 1080 × 1920. Aus Pixelgröße und Brennweite ergeben sich rechnerisch ungefähr 2,75 Bogensekunden pro Pixel beim DWARF 3 und 3,99 Bogensekunden beim S30. Der kleinere Wert ist die feinere Abtastung – was daraus folgt und was nicht, steht oben.
Bildfeld: nicht nur eine Zahl vergleichen
Beim DWARF 3 lässt sich das Telefeld aus Sensorauflösung, 2,0-Mikrometer-Pixeln und 150 Millimetern Brennweite zu ungefähr 2,93° × 1,65° berechnen.
Funktionen, die beide besitzen
Der alte Entwurf stellte EQ-Modus und Dual Camera als Alleinstellungsmerkmale des DWARF 3 dar. Das ist nicht mehr aktuell. Beide Geräte bieten:
- automatische Zielpositionierung und Nachführung,
- Live Stacking,
- FITS-Rohdaten,
- eine zweite Weitwinkelkamera,
- Mosaikfunktionen,
- einen EQ-Modus mit geeigneter Aufstellung,
- Sonnenbetrieb mit passendem, korrekt montiertem Filter.
Die Umsetzung unterscheidet sich. Beim DWARF 3 nennt der Hersteller im EQ-Modus maximal 60 Sekunden für Tele- und 90 Sekunden für Weitwinkelaufnahmen. Solche Maximalwerte sind keine Empfehlung für jede Session und kein Nachweis einer höheren Annahmequote.
Auf dem Papier wirkt die Funktionsliste deshalb fast gleich. Im Alltag prägen jedoch App-Führung, Filterwechsel, Aufstellung und der Umgang mit Rohdaten den Charakter stärker als ein einzelnes Häkchen in der Tabelle.
Filter und Tau
DWARF 3 besitzt umschaltbare VIS-, Astro- und Dualband-Filter. Zwischen Herstellerdarstellungen bestehen bei einzelnen Filterbereichen noch Abweichungen; diese Angaben bleiben deshalb offen.
Beim Seestar S30 sind UV/IR-, Dualband- und Dunkelfilter dokumentiert. Das Handbuch bestätigt außerdem eine integrierte Tauheizung. Für DWARF 3 ist eine separate aktive Tauheizung in den geprüften Unterlagen nicht eindeutig belegt.
Welches Profil passt eher?
DWARF 3 ist interessant, wenn du gern Einstellungen vergleichst, verschiedene Filterpositionen bewusst einsetzt und 4K-Teleausgabe, feinerer rechnerischer Pixelmaßstab sowie 128 GB Speicher wichtig findest.
Seestar S30 ist interessant, wenn du einen geradlinigen Seestar-Ablauf, eine dokumentierte integrierte Tauheizung und möglichst wenige Entscheidungen während einer spontanen Session suchst.
Unsere Einordnung: Für Reise und Balkon sind beide glaubwürdige Kandidaten. Das DWARF 3 spricht eher den experimentierfreudigen Nutzer an; das S30 eher jemanden, der schnell zu einem reproduzierbaren Ablauf kommen möchte. Das ist keine Aussage darüber, welche App „besser“ ist, sondern über die dokumentierte Ausrichtung der Systeme.
Eine pauschale Rangfolge vergeben wir bewusst nicht. App-Stabilität, Ausschussquote und Bildqualität lassen sich nur mit dokumentierten, identischen Aufnahmebedingungen und Originaldateien seriös vergleichen. Genau ein solcher Test lag dem früheren Entwurf nicht bei.





